Die Baugeschichte der Orgel

Quelle: Fußnote in der „Orgell-Predigt“ von Mag. Immanuel Weber, damaliger Pfarrer zu Pomßen (Leipzig 1671, fol. 36′). – Beschreibung der neuen Orgel mit Wiedergabe der Disposition (im Exemplar der Universitätsbibliothek Halle ist die handschriftliche Ergänzung „Principal“ nachträglich mit roter Tinte vorgenommen worden.)

Die aus dem 13. Jahrhundert stammende Kirche ist eindrücklich von dem Kunstsinn der Herrschaft auf Schloss und Rittergut Pomßen geprägt. Es war vor allem die Familie von Ponickau (1536–1782), der die Innenausstattung der Kirche ein besonderes Anliegen war. So auch nach einem Sturm im Jahre 1660, der die Kirche samt Vorgängerorgel stark beschädigte. Sophia von Ponickau erteilte den Auftrag zu einem Neubau der bis heute erhaltenen Orgel an den Bürgermeister und Orgelbauer Gottfried Richter (1640–1717) aus Döbeln in Sachsen. Über die Lebensumstände von Richter ist bisher wenig bekannt. Er ist in Sachsen aber mehrfach mit neuen Orgeln und Reparaturen belegt.

Die am 22. März 1671 von Magister Immanuel Weber gehaltene Orgelweihepredigt ist in einem historischen Druck überliefert. In einer Fußnote gibt Pfarrer Weber die Disposition der Orgel an. Das klangliche und vor allem das optische Konzept der Orgel gaben in der Vergangenheit immer wieder dazu Anlass, ihr Alter um ca. 100 Jahre früher zu datieren. Erst durch die jüngste Restaurierung durch die Orgelwerkstatt Wegscheider, Dresden, konnten diese Zweifel ausgeräumt werden. Ziel dieser Arbeiten war es, klanglich und technisch den Zustand von 1671 (mit dem 1727 ergänzten Violenbaß) wieder herzustellen.

Disposition

Manual (CDEFGA–c3)
Grobgedackt 8′
Principal 4′
Klein gedackt 4′
Nassat 3′ (rekonstruiert 2006)
Sesqvialtera 2fach halb (ab cis1) 22/3‚ und 13/5
Octava 2′
Mixtur 3fach 1′
Cimbel gedoppelt (2fach) 1/3
Trompeten 8′ (rekonstruiert 2006)

Pedal (CDEFGA–c3)
sub Baß 16′
Posaunen 16′ (Kehlen 2006 rekonstruiert)
Violenbaß 8′ (1727 durch J. G. Gordt eingebaut, seit 2006 auf separater Windlade)
Cornetten 2′ (rekonstruiert 2006)

Manual und Pedal in separaten Gehäusen. Das freistehende Manualwerk kann durch zwei Flügeltüren verschlossen werden. Das Pedal steht hinter der Orgel an der Westwand.

Nebenregister
Tremulant (rekonstruiert 2006)
Stern (rekonstruiert 2006)
Vogelgesang (rekonstruiert 2006)
Koppel Manual-Pedal (schaltbar frühestens ab 1727; neue Einschaltung 2006)

Stimmtonhöhe: a1 = ca. 458 Hz (15°C)
Temperierung: Mitteltönig (1/4 syntonisches Komma)
Winddruck: ca. 60 mm WS

Umbauten

1727 Jochen George Gordt ersetzt im Pedal Cornetten 2′ durch Violenbaß 8′. Mutmaßliche Änderung der Temperatur.

1887 Gottfried Hildebrand führt Revisionsarbeiten durch

1934 Alfred Schmeißer repariert und verändert die Orgel

2000 Erster Bauabschnitt der Restaurierung: Einbau der historischen Balganlage mit vier Keilbälgen aus der Schlosskirche Zwickau Planitz (1696) durch die Orgelwerkstatt Wegscheider, Dresden.

2005/06 Zweiter Bauabschnitt: Restaurierung des Orgelwerkes durch die Orgelwerkstatt Wegscheider, Dresden.
Wiedereinweihung am 1. Oktober 2006 durch Roland Börger.